137 Ost-West-Räume. Interview mit Ingo Aselmann
Shownotes
Ost-West-Räume, wie wachsen wir zusammen? Wie kann ein gemeinsames Wir zwischen den beiden Teilen Deutschlands entstehen? und mit welchen Blockaden haben wir umzugehen? Solche Frage habe ich mit dem Zeitzeugen Ingo Aselmann am 3. Oktober 2025 in einem Interview ausgelotet. Zum Jahrestag der Deutschen Einheit erscheinen sie erstmals als Podcast, weil sie nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben. Sie werfen ein zusätzliches Schlaglicht auf die Situation in unserem Land, mit der es gilt, konstruktiv umzugehen.
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00:00:00: Liebe Freunde und Freundinnen des Podcast Wertschätzung, Führung Selbstmanagement.
00:00:05: Heute hören Sie einen Podcast der genau vor einem Jahr aufgenommen wurde am dritten Oktober, zwei Tausendfünfundzwanzig Und bei dem es um das Verhältnis von Ost und West ging.
00:00:20: Ich habe ihn damals nicht gesendet weil wir
00:00:23: irgendwie
00:00:24: das technisch nicht so schnell hingekommen haben und jetzt habe ich ihn
00:00:27: mir nochmal
00:00:28: angerührt und festgestellt dass er nichts in seiner Aktualität verloren
00:00:33: hat.
00:00:34: Also lassen Sie sich überraschen von dem Gespräch mit Ingo Asemann, der in der damaligen Zeit an einer prominenten Stelle die Ereignisse
00:00:44: miterlebt
00:00:45: hat wie es zu der Vereinigung zwischen Ost und West gekommen ist und mit was wir uns bis heute
00:00:52: herum
00:00:53: klaren oder was uns bis Heute herausfordert.
00:00:58: soweit von mir als Einleitung.
00:01:00: Und
00:01:01: nun kommt der Podcast.
00:01:08: Ja, ich begrüße Ingo Asiermann!
00:01:12: Hallo lieber Ingo!
00:01:13: Hallo liebe Barbara!
00:01:15: Ich grüße dich zurück!
00:01:17: Wir kennen uns seit einigen Jahren und heute am Tag der Deutschen Einheit haben wir einen Gespräch geführt das mich sofort und spontan dazu animiert hat zu sagen Ingo, ich möchte mit dir ein Interview machen.
00:01:35: Jetzt sitzen wir hier.
00:01:36: Also, warum dieses Gespräch jetzt?
00:01:41: Du hast genau in der Phase der deutschen Einigung an einer Stelle gesessen wo du diesen Prozess des Wandels, des Systembruchs, der Hoffnung, der Befürchtung etc.
00:01:57: hautnah miterlebt hast.
00:02:00: Magst du uns mal kurz schildern was du gemacht hast und wo du warst.
00:02:06: Ja, ich war in Berlin und zwar beruflich.
00:02:10: Es war so dass ich in den Nr.
00:02:13: eighty das war ja auch vierzig Jahre DDR feiert ganz groß noch in Mainz war und der Vertrag dort lief aus nach nach Kettenverträge.
00:02:24: also ich konnte gar nicht mehr weiter dort arbeiten war klar dass es aufhört am Max-Planck-Institut und hatte dann ein Folgevertrag für ein halbes Jahr am Wissenschaftskolleg in Berlin.
00:02:38: Das Wissenschaftskolleg ist damals gewesen, es gibt heute noch eine Institution getragen von dem Senat von Berlin und der Bundesrepublik die dort jeweils für einen ja internationale Wissenschaftler herausragende die Möglichkeit.
00:02:56: ok Ich bin da zugekommen, quasi auf halber Strecke weil dort sechs Naturwissenschaftler die ein Buch schreiben sollten über Metascycling.
00:03:06: Also vor allen Dingen Kohlenstoff, Stickstoff und Salte im globalen und auch im erdgeschichtlichen Zusammenhang.
00:03:21: das Ganze hat mit dem Thema Wandel zu tun Und das stockt so ein bisschen.
00:03:26: Ich bin als wissenschaftlicher Mitarbeiter dort hingekommen und hatte die unterstützt für sechs Monate.
00:03:33: Und ich kam nach Berlin, das war der dritte Dezember also die Mauer war gerade gefallen jetzt vier Wochen, sechs Wochen und stand dort am Abend mit meiner Frau vor dieser angeknapperten Mauer und war völlig fasziniert Und überwältigt, da waren Löcher drin.
00:03:56: Man konnte durchgucken auf der einen Seite.
00:04:00: Es war in Nieselig und eine Frau stand auf Westseite wo wir auch natürlich standen und guckte so durch und fragte den Fob unter drüben ob es dann drübem auch so kalt war.
00:04:15: Also das hatte auch skurrile Züge aber sehr leicht
00:04:20: Genau, eulich und leicht.
00:04:25: Ja dann ging es ja nun dramatisch weiter und diese Podcasts befasst sich ja sehr stark damit wie wir mit etwas Vergehenen umgehen also wenn Sicherheiten verschwinden oder wenn Hoffnungen zerstört werden.
00:04:42: Und da hast du vorhin etwas erzählt was viele wahrscheinlich gar nicht mehr in Erinnerung haben das nämlich auf der Seite derjenigen die dieser Veränderungen, die diese friedliche Revolution betrieben haben große Hoffnungen bestanden.
00:04:58: Magst du das mal kurz einfühlen für alle, die es vergessen haben?
00:05:05: Ja also ich habe das natürlich aus der Perspektive des Westlassen miterlebt gerade an den Wissenschaftskolleg dort war auch ein Jurist einen der sich mit internationalen Recht beschäftigte Und ein ausgewiesener Experte war für Verfassungen und internationales Rechte ist täglich rübergefahren nach Ostberlin zu dem damals runden Tisch.
00:05:36: Und hat dort an der zukünftigen Verfassung eines neuen DDR-States mitgearbeitet.
00:05:44: Okay, mal ganz kurz innehalten das ist ja etwas was wir gar nicht mehr in Erinnerung haben.
00:05:50: Was heißt denn das?
00:05:51: eine zukünftigen Verfassung eines neuen DDR-States?
00:05:56: Also es war ja Anfang neunzig völlig unklar, wie's weitergeht.
00:06:00: Die Grenzen waren geöffnet.
00:06:03: Wöchentlich gab es neue Regelungen was die Besucheregelung von West nach Ost und Ost nach West angeht gerade in Berlin im Brennpunkt.
00:06:12: aber es waren zwei Staaten.
00:06:18: Friedrichi Revolution im Osten hat natürlich ganz die Kräfte freigesetzt und die Kräftigte, die das waren, die hatten natürlich Vorstellungen gehabt wie man einen dritten Weg beschreiten könnte.
00:06:29: Und das war eigentlich die Intention dieses runden Tisches unter Beteiligung des Juristen aus vom Wissenschaftskolleg da die Grundlage zu legen was ein Dritter Weg zwischen Westem Kapitalismus und gescheiterten realen Sozialismus darstellt.
00:06:48: und da ist er täglich rübergefahren.
00:06:54: Und die sollte durch eine neue Verfassung gewährleistet sein?
00:07:00: Das sollte Grundlage eines neuen Staates quasi mit einem dritten Weg sein, da waren also die Vorstellungen, die damals die entscheiden mitgewirkt haben.
00:07:12: das waren Reformkräfte aus der SED die opposiziellen Bewegungen, Friedensbewegung ganz viel.
00:07:24: Die dort quasi maßgeblich sich gesehen haben, haben dort mitgewirbt.
00:07:33: Das heißt also das was wir dann später als Kritik gehört haben, dass es so etwas wie eine Vereinnamen der DDR gab oder das ist eine Landname der DDR Eine Angliederung der DDR in die Bundesrepublik, was ja dann faktisch am dritten Oktober vollzogen wurde.
00:07:53: Das war damals nicht das Thema, sondern das Thema war ein eigenständiger, autonomer aber demokratischer Staat, den im Osten entstehen sollte.
00:08:08: So ist es!
00:08:10: Ich denke auch im Westen war das noch... in vielen Köpfen auch im Main.
00:08:15: Also ich hätte mir nicht vorstellen können, dass dort jetzt innerhalb von kürzester Zeit ein vereinigtes Deutschland wieder entsteht.
00:08:22: also Anfang zwei tausend neunzehnteinneunzig war das noch kein Thema
00:08:29: aber
00:08:30: Im laufe des Frühlings wurde klar Dass es wahrscheinlich nicht darauf hinausläuft.
00:08:40: Es wohnen wöchentlich Leute eingeladen, auch von außen im Wissenschaftskolleg.
00:08:44: Auch Politiker, auch aus der Wirtschaft.
00:08:47: und soweit man das dann in diesen Foren die dann auch wöchtlich stattfand und einfach diskutiert hat war ja alles offen War das ging es relativ schnell in die Richtung dass es keinen eigenständigen Staat geben wird.
00:09:06: Okay, da gab es hier nun eine sehr dramatische Formulierung von Helmut Kohl.
00:09:14: Also der Slogan oder der Beruf, der Wegruf und der Aufrufe in der DDR war ja wir sind ein... Wir sind das Volk!
00:09:27: So muss man es betonen.
00:09:28: Ja, das war der Slogen des Slogans der aufmuckenden DDR-Bevölkerung, die sind durch Leipzig gezogen in Berlin.
00:09:41: Wir sind das Volk und es ist relativ schnell gekippt.
00:09:46: In wir sind ein Volk.
00:09:49: Und
00:09:51: ich würde mal sagen, dass von der Politik gerade auch von Helmut Kohl vom CDU damals und der FDP aber auch von vielen anderen dann dankbar aufgegriffen wurden.
00:10:02: also Ich denke mal, das war auch das Gefühl gerade von der DDR-Bevölkerung.
00:10:10: Wir wollen auch partizipieren und deswegen
00:10:17: ... Du machst jetzt einen interessanten Schritt?
00:10:20: Ich kann das nicht nach recherchieren jetzt aber ich habe damals so verstanden dass das quasi ein Slogan war und der westlichen Politik, insbesondere von Helmut Kohl, erfunden, also gefunden wurde.
00:10:38: Und wie eine anders geartete Aussage zu diesem Einigungsprozess begriffen wurde?
00:10:48: Also eine wirkliche Umdefinition die nicht irgendwo entstanden ist sondern die gewollt war.
00:10:55: Kannst du das bestätigen oder ist es nur eine Vermutung von mir?
00:11:00: Also ich würde mal sagen, dann müsste man da wirklich mal ein Historiker fragen und das wirklich mal im Detail angucken.
00:11:04: Ja.
00:11:05: Ich habe das so nicht erlebt.
00:11:08: Helmut Kohl hatte ... Ich bin überhaupt kein Freund von ihm.
00:11:11: Absolut nicht auch damals nicht!
00:11:15: Und heute sehe ich das ein bisschen anders.
00:11:17: aber ich glaube dass er ein gutes Gespür hatte.
00:11:21: Ein sehr gutes Gesspür für Stimmung in dem Volk und dass er nur eine Stimmung aufgegriffen hat.
00:11:27: Aber dass das jetzt von ihm auch gegangen wäre, das hätte glaube ich nicht gereicht.
00:11:31: Also ich glaube, dass er da Stimmungen aufgenommen hat und die dann sich in diesem Slogan Bahn gebrochen haben.
00:11:40: Ich glaube es sind einfach zwei Dinge zusammen kamen.
00:11:42: Dass er das einfach nur in seinem politiker Instinkt fürs gute Gefühl was geht, das Aufgenommen hat.
00:11:51: Heißt das, dass es so etwas gab?
00:11:53: In deiner Wahrnehmung wie eine eine Spaltung oder ja doch vielleicht sogar eine Spaltung zwischen denjenigen, die diese kritische Revolution wollten und Betrieben haben.
00:12:05: Und denenjenigen, der einfach schlicht untergreifen, die Demarkt und den Konsum und die Reisemöglichkeiten wünschten?
00:12:13: Also aus heutiger Perspektive ist das sicherlich so gewesen denke ich.
00:12:18: Die Reformkräfte die dort tragend waren und die die Revolution vorangetrieben haben mit der ganzen Masse, die dann gefolgt ist.
00:12:28: Die haben sich sicherlich nicht das erdacht was dann aus der Einigung geworden ist.
00:12:33: Sie hatten tatsächlich noch andere Ideale, die da nicht verwirklicht wurden.
00:12:38: aber die große Masse wollte, sie wollte die D-Mark, die wollte reisen und die wollte partizipieren an dem der Westen quasi ausstrahlt und versprach.
00:12:51: Also Wohlstand?
00:12:52: Ja!
00:12:53: Vor allen Dingen, Martin Herr Wohlstadt in einer Mangelgesellschaft die in hoher Solidarität angewiesen waren um überhaupt überleben zu können.
00:13:04: Nun heute sind wir ja also einige Dekaden weiter und du lebst im Osten wie ich inzwischen auch überwiegend.
00:13:17: Wie stellt es sich dir heute dar, wie sind die Menschen mit diesem radikalen... oder wie sind Menschen nicht die Menschen?
00:13:26: Das gibt's ja nicht.
00:13:27: Die Menschen.
00:13:28: Wir sind Menschen mit dem radikalen Wechsel umgegangen.
00:13:35: Was hast du damals erlebt?
00:13:37: Das war ein wirklicher Systembruch der sich dann abzeichnet.
00:13:43: Was Hast Du damals
00:13:44: erlebt?!
00:13:45: Wie ging man damit um?
00:13:48: Also ich habe ja nur diese sechs Monate in Berlin gelebt.
00:13:57: Persönlich jetzt der Austausch mit Bürgern aus der DDR hatte ich relativ wenig, also persönlich war es einfach eine wahnsinnig spannende Zeit, in Berlin zu sein, Ost-Berlin zu entdecken und rumzufahren.
00:14:14: dass Berlin eine Stadt ist, kannte er nur Westberlin.
00:14:19: Man merkte einfach, dass das nur eine halbe Stadt ist und plötzlich war sie ganz.
00:14:25: Das fand ich schon sehr besonders und auch Berlin zu erleben.
00:14:28: Überhaupt diese ganzen rasanten Entwicklungen die genommen hatten, dass die Mauer abgebaut wurde, dass man konditiv tode Streifen ging.
00:14:36: Ich bin nach Potsdam gefahren beim Fahrrad.
00:14:41: Winkel entdeckt, alte Friedhöhe die versteckt waren über Jahrzehnte hinter der Mauer.
00:14:46: Es hatte auch was Magisches.
00:14:47: also es war wirklich auch berühren für mich.
00:14:51: wie die Leute das wahrgenommen haben kann ich gar nicht so sagen weil ich diesen Austausch nicht hatte direkt mit den Leuten.
00:14:59: Dann gehen wir zu denen mit dem du Austausche hatten.
00:15:03: Wie war denn der Austausch mit dem Menschen?
00:15:05: oder was hast du gespürt bei den Menschen, die an diesen Prozesse mal beteiligt waren?
00:15:09: Also in deinem Wissenschaftskolleg.
00:15:12: Ja das war ja nur der eine Professor aus Librehen, der dann ab und zu davon berichtet hat, dass es war dann relativ klar, dass die Verfassung hier in Kraft treten wird weil es kein eigenes Staat geben wird.
00:15:27: Die haben trotzdem weiter gearbeitet also Die sind da dran geblieben.
00:15:33: Obwohl es dann, ich weiß nicht was, ich kann sogar sagen welcher Monat das war, irgendwann war's klar dass eine Arbeit ist die nicht irgendwie mal zur Anwendung kommt, also keine Verfassung gibt die dann in Kraft tritt.
00:15:51: Ja, also da kann ich gar nicht mehr zu sagen.
00:15:53: Er war halt dort immer rübergefahren jeden Tag und hat mitgewirkt und hat sicherlich die Kontakte gehabt.
00:16:02: aber jetzt... Mehr kann ich dazu gar nichts
00:16:06: sagen.
00:16:06: Dann frage ich dich als Bewohner in Ostdeutschland, in der Nähe von Pzig.
00:16:13: Wie erlebst du diese Situation heute auf dem Hintergrund dieser Erfahrung?
00:16:23: Die Menschen sind eigentlich überall gleich.
00:16:25: Das ist erstmal meine grundsätzliche Vorstellung von den Charakteren her, von den Temperamenten.
00:16:34: Wir sind alle Menschen und ich würde mal sagen die Menschen geht es nicht schlecht rein wirtschaftlich und rein materiell.
00:16:48: Es gibt kein Reichtum hier, keinen außergewöhnlichen.
00:16:51: also wenn du nach Westen kommst Da ist einfach mehr Geld.
00:16:54: Das siehst du, aber hier ist auch keine bittere Armut.
00:16:57: Die erlebe ich zumindest nicht.
00:17:00: Ich erlebe eine Sensibilität für Ungerechtigkeit oder was als ungerecht wahrgenommen wird und ich erlebe auch eine Diskrepanz zwischen gefühltem Mangel- oder Defizit.
00:17:29: Aber doch bei einigen.
00:17:32: Den geht's gut.
00:17:33: Die haben ein eigenes Haus, haben Auto sogar zwei und die haben ihre Einkommen.
00:17:40: Und sind trotzdem fühlen sich unsicher und erzählen davon, dass die Zeiten schlecht sind.
00:17:51: Da kommt für mich ein bisschen zusammen, thirty-five Jahre Einheit das wird immer noch verknüpft mit der Wiedervereinigung Wobei die Determinanten heute für das, was diese Situation auch hier im Osten ist mittlerweile auch ganz andere sind.
00:18:15: Was meinst du damit?
00:18:17: Dass wir auch in Westen ja ganz viel Veränderung stattgefunden haben, die globale Hintergründe haben und Wir hatten die Bankenkrise, wir hatten in den neunziger Jahren die Entfesselung der Kapitalmärkte, die dazu geführt haben.
00:18:44: Die haben eine internationale Verflechtung der Unternehmen, die zu einem rasanten Strukturwandel geführt hat.
00:18:55: In
00:18:56: Ost und West.
00:18:58: Bitte?
00:18:59: Im Ost- und West!
00:19:01: Ja sowohl als auch.
00:19:03: Und der geht ja weiter.
00:19:04: und ich glaube, dass diese Verunsicherung gerade hier im Osten sehr viel größer ist als bei uns im Westen weil die Erfahrung der Wiedervereinigung mit diesen ganzen Verwerfungen – die Leute haben ihre Jobs verloren, sie haben ihre Firmen verloren, die Identität ist verloren gegangen, sie wurde in der Form nicht so gewürdigt vom Westen was sicherlich der Fall ist auch durchkommt.
00:19:33: Die Leute, die an den entscheidenden Stellen sitzen sind meistens aus dem Westen gekommen.
00:19:40: Da sind ganz viel Verletzung da, gerade jetzt in der heutigen Zeit wo die Unsicherheit wächst in der globalen Situation nochmal zu einer größeren Zukunftsangst führen und das merkt man schon hier.
00:19:57: Okay,
00:19:58: das ist jetzt ein sehr spannender Punkt.
00:19:59: Das heißt wenn man so will.
00:20:02: da hat es wieder eine Traumatisierung gegeben.
00:20:05: ich meine es gab in der deutschen Geschichte ja viele Traumätisierung also nineteen hundert und vierzig war natürlich eine tief gehaltene Traumattisierung und jetzt neunzehnhundneinund achtzig gab es einen Prozess der Einigung den Widerungen zu einer Traummatisierung geführt hat.
00:20:25: Und wie das eben ist, wenn man traumatisiert ist, dann entwickelt man eine Brille die das Trauma mit sich trägt.
00:20:33: Wenn ich dich jetzt richtig höre, dann heißt es dass die Entwicklung danach durch diese Brille der Traumatisierung von neunzehnhundertneunachtzig folgende auch gesehen wird.
00:20:47: Habe ich das richtig verstanden?
00:20:50: Ja also ich denke da kommt viel hoch was als Überwunden gedacht war nach der Wende, sich etabliert hat dass man jetzt um die angekommen ist.
00:21:01: Dass man hier seine Rolle gefunden hat sein Sein Einkommen und das steht mittlerweile wieder in Frage Und das macht natürlich vielen Leuten Angst
00:21:13: Und das wird, wenn du so willst dem Westen vor allen Dingen angelastet.
00:21:19: Statt dass es auch aus der Entwicklung des globalen Märkte und des globaler Prozesses wahrgenommen wird?
00:21:28: Ja also zumindest ist das meine starke Vermutung, dass der wesentliche Unterschied zwischen West- und Osten immer noch.
00:21:37: Wenn erfahrbar die Trauma bei vielen in den in den Köpfen steckt und dass das getriggert wird durch Ukrainekrieg, durch weitere Globalisierung, durch Abwanderung von Industrien, durch Klimawandel.
00:21:58: Also die ganzen Themen durch die politischen Konflikte, dass das im Hintergrund ist zu großer Verunsicherung führt.
00:22:12: Auch da
00:22:13: unterschiedlich, je nachdem hat es auch eine Generationsfrage.
00:22:16: also das ist gerade bei den Menschen die bei den Jugendlichen weniger aber bei denen die dort noch relativ jung gewesen und bei den Älteren ist das sicherlich ein wichtiger Punkt.
00:22:31: Lass mich mal eine These versuchen wenn ich dir so zuhöre.
00:22:36: Ich sage ja wir sind das nie wieder Land Das Nie-Wieder hat aber möglicherweise in West und in Ost unterschiedliche Färbung.
00:22:46: Im Westen heißt es vor allen Dingen nie wieder Nationalsozialistisch, Rassismus oder Fascismus.
00:22:54: Und im Osten heißt das vielleicht nie wieder staatliche Bevormundung.
00:22:59: Kann das sein?
00:23:03: Ganz sicherlich ist das ein wesentlicher Aspekt und genau das auch die Generationsfrage die in der DDR sozialisiert worden sind, die da drunter gelitten haben.
00:23:17: Die wollen das nicht nochmal.
00:23:20: und die, die sich relativ wohlgefühlt haben, die dort gelebt haben... Die wollen diese grundsätzlich Verunsicherung nicht mehr mitmachen.
00:23:30: Also das ist, glaube ich schon auch eine Frage der Generationen und auch wie die einzelnen Leute in der DDR gelebt haben.
00:23:37: Und die große Menge, die ich sage jetzt mal, die damals wir sind ein Volk gerufen haben, die sind vielleicht auch ein Stück weit enttäuscht worden weil es nicht ganz so reibungslos lief und nicht dann so easy wie sie sich vielleicht auch oft haben.
00:23:52: Ich erinnere mich an einen Freund, um das noch mal ein bisschen weiter zuzuspitzen.
00:23:58: Was quasi das nie wieder im Osten ist.
00:24:00: Ich erinner mich an einem Freund der die Wände und was passierte nicht nur begrüßt hat sondern er war als ehemaliger Oppositioneller in der DDR.
00:24:14: War auch wirklich davon überzeugt dass jetzt eine andere Zeit anbricht und der dann angefangen hat zu recherchieren über die Politik des Westens gegenüber dem Osten, heute.
00:24:27: Und er gesagt hat wir kommen wieder genau in dieselbe Kiste rein Wir werden wieder manipuliert von oben und wir werden wieder über den Tisch gezogen.
00:24:37: also das heißt diese staatliche Bevormundung wird bis in die feinsten Verästelungen des Lebens in der DDR durch die Geheimpolizei, durch die Stasi vorgenommen wurde.
00:24:51: Das ist sozusagen das große Antibild, dass jetzt aber auch auf die westliche oder bestichstark beeinflusste Politik in der Bundesrepublik Deutschland gesamt projiziert wird oder gesehen wird.
00:25:12: also man sieht Ich versuche es nochmal klarer zu machen.
00:25:17: Man sieht sozusagen mit den Augen eines mal bevormundeten Bürgers und einer bevomundeten Bürgerin auf die Entwicklung in Berlin und sagt, das wollen wir nicht wieder.
00:25:30: Also ich glaube dass da viel dran ist.
00:25:34: also hier die Sensibilität oder auch die Skepsis gegenüber staatlichen Institutionen und das geht bis in die Medien rein.
00:25:43: Das gibt nichts, was damit verbunden ist.
00:25:47: Ganz ein Stückchen größer ist als bei uns im Westen wo wir andere Erfahrungen damit gemacht haben.
00:25:55: Ich glaube dass diese Bindung an dieser Institution hier sehr viel lockerer ist.
00:26:10: Wenn du jetzt so deinen Erfahrungsbogen nimmst und versuchst, eine Ermutigung für die Gegenwart zu finden und zu formulieren, fällt dir dazu etwas ein.
00:26:28: Wie sollte man mit so radikalem Wandel umgehen?
00:26:39: Da gibt es kein Patentrezept!
00:26:41: Das hat ja sehr viel mit persönlicher Einstellung zu tun und wie ich überhaupt dem Leben gegenüberstehe.
00:26:52: Und das heißt aber auch, dass ich ein Stück weit in mir etwas habe was jetzt unabhängig von den äußeren Dingen ist – was immer das auch sei!
00:27:03: Ich glaube da sind sich sowohl West- als auch Ostdeutsche alle Menschen.
00:27:11: Also diese Angst vor der Zukunft, gerade wenn es sehr materielle Menschen sind.
00:27:17: Die findest du im Westen genauso wie im Osten und ich glaube da ist das Verbindende, wenn da die Menschen, die noch was anderes in sich haben sie eben nicht überwältigen zu lassen von dem als äußere bedrohene Angstszenarien da ist.
00:27:40: Ich glaube, dass das die vereinigende Kraft in Zukunft ist, gemeinsam weiterzugehen.
00:27:47: Und es geht aber nur wenn du wirklich nicht nur in der Materie hängst und nicht nur darauf, was für mich jetzt bedroht, sondern was sind die Werte, die eigentlich wert sind auch in die Zukunft getragen zu werden?
00:28:05: Die sind eben nicht materielle Natur!
00:28:08: Wie gesagt... sowohl im Westen, als auch im Osten.
00:28:13: Das ist das was uns einigt.
00:28:16: Ja sehr schön!
00:28:17: Ich würde es gerne noch um etwas ergänzen.
00:28:19: also das ist ja ganz wichtiger Aspekt den du sagst.
00:28:22: Ich würde das gerne durch eine Erfahrung die ich in den letzten Tagen gemacht habe ergänzend.
00:28:26: Ich habe hier meinen kennengelernt.
00:28:27: der war technischer Leiter einer riesigen Institution in der DDR Und der sagte, als die Wiedervereinigung kam hätte man ihm von jemand aus dem Westen gesagt ihr habt aus scheiße Gold gemacht.
00:28:43: Wenn man nichts hatte weil es einen materiellen Mangel gab dann wird hier eine unglaubliche Fähigkeit aufgefordert mit dem wenigen was man hat umzugehen und daraus etwas zu machen.
00:28:58: Und diese Fähigkeit ist hier sehr viel größer als bei uns im Westen, wenn man alles immer kaufen kann dann wird die Fähigkeiten gar nicht abgefordert, dann wird der Resilienz mit dem Mangel umzugehen gar nicht gefordert.
00:29:15: Insofern können sich die Menschen im Osten würdigen und wertschätzen dass sie in ihrem kollektiven Bewusstsein, unbewussten und bewusst sein eine enorme Resilienz gezeigt haben.
00:29:30: Ich hoffe dass sie das würdigen können und wir die da wenige gefordert sind auch ein bisschen von ihnen bereit sind zu lernen.
00:29:39: Das wäre meine Ergänzung zu dem was du sagst.
00:29:43: also mit den anderen so umgehen.
00:29:45: Das kann ich gerne unterstützen aufgrund meiner Form.
00:29:48: Wir haben ja hier wo ich ja auch dabei bin und einfach nur ganz als Ergänzung dazu, ich ziehe immer den Hut von dieser Schönheit.
00:30:04: Ich sage das jetzt mal ganz bewusst so der Alte im Biografien, die dahinter stehen gerade von den alten Leuten, die ihr nun wirklich ganz bewusst in der DDR groß geworden sind da auch gearbeitet haben Auch ihre Freude hat ihr Leben gelebt, ihr positives Leben gelegt und das auch noch nach der Wende geschafft war den meisten weiter zu leben.
00:30:29: Und eben gerade mit dieser Resilienz und mit dieser Anpassungsfähigkeit und da ins Gespräch einen Austausch zu kommen ist das eigentlich was die Basis für eine Verbindung schafft.
00:30:46: Also Respekt auch vor den einzelnen Biografieleistungen und gerade dann wenn dich nur Frust und Verbitterung im Hintergrund ist, sondern wenn da immer noch ein Funken ist wo auch einfach Positivität da ist.
00:31:04: Wunderbar!
00:31:05: Danke lieber Ingo für diesen Einblick in deinen Erfahrungshorizont und lass uns weiter den Weg zu einer Einheit zu einer wirklichen Einheit in der Tiefe suchen, finden und begehen.
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